Infos für LehrerInnen

Viele Einstellungen gegenüber Minderheiten werden schon im Schulalter erworben und verfestigt. Gerade die Schule bietet die Chance, junge Menschen darüber aufzuklären, was psychische Erkrankungen sind, wie sie tatsächlich von den betroffenen Menschen erlebt werden und welche Mythen über sie in der Gesellschaft existieren. Studien haben gezeigt, dass im Schulalter die Weichen für falsche Vorstellungen über psychische Erkrankungen gelegt werden und daß Informationsveranstaltungen, vor allem solche, in denen betroffenen Menschen von ihren Erfahrungen erzählen und in direkten Kontakt mit SchülerInnen kommen, die beste Voraussetzung sind, Vorurteile abzubauen.

Dazu bieten sich verschiedene Fächer wie Religion, Philosophie oder Biologie an. Aber auch in Fächern, die auf den ersten Blick keine Anknüpfungspunkte zu psychischen Erkrankungen und deren Stigmatisierung zeigen, gibt es die Möglichkeit diese Themen anzusprechen. Im Folgenden eine kleine Zusammenstellung von Möglichkeiten, wie man psychische Erkrankungen zum Thema machen kann:

  • Bei der Diskussion um Normen und Regeln im Religions- oder Philosophieunterricht kann das Thema psychische Erkrankung als ein Beispiel für Abweichung und den gesellschaftlichen Umgang damit aufgegriffen werden.
  • Im Kunstunterricht könnte eine Unterrichtseinheit zur Prinzhorn-Sammlung und ihren KünstlerInnen gestaltet werden. Hier läßt sich z.B. zeigen, dass das häufig vorherrschende Stereotyp des psychisch kranken Gewalttäters sich nicht mit den anderen Aspekten psychischer Erkrankung verträgt – im Gegenteil, viele psychisch erkrankte Künstler wurden im Dritten Reich durch die angeblich “Normalen” ermordet. Weitere Aspekte ergeben sich aus der Frage “Was ist Kunst!”,  “Wann ist etwas Kunst” etc.
  • DeutschlehrerInnen könnten darauf hinweisen, dass es viele AutorInnen gab, die unter psychischen Erkrankungen litten und trotzdem (oder gerade deswegen) das kulturelle Leben enorm bereichert haben. In der Literatur tauchen immer wieder Protagonisten auf, die ebenfalls psychisch krank sind, hier sei z.B. Büchners “Lenz” genannt.
  • Auch die Schülerzeitung bietet Anknüpfungspunkte, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, die psychisch erkrankt sind. Viele Betroffene engagieren sich in Redaktionen von Zeitungen, die überwiegend durch Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung erstellt werden. In Deutschland gibt es mittlerweile über 70 solcher Zeitungen. Hier bieten sich gegenseite Redaktionsbesuche an, vielleicht könnten zusammen Reportagen erstellt werden etc. Eine Liste mit Anschriften der Redaktionen findet sich hier.
  • Im Rahmen einer Projektwoche könnte sich eine Gruppe mit dem Thema beschäftigen und z.B. eine Reportage drehen, einen Bericht schreiben, eine Straßenbefragung zur Akzeptanz psychisch erkrankter Menschen starten, eine Imagekampagne für psychisch Kranke entwerfen etc.
  • Warum nicht mal mit der Photo-AG auf Motivsuche entlang neuer und ungewohnter Wege gehen. Viele Psychiatrien werden oft aus der Ferne wahrgenommen. Man hält sich von ihnen fern, oft rankt etwas Geheimnisvolles um sie. Vielleicht ergibt sich ja der Kontakt zu Patienten und MitarbeiterInnen der Psychiatrie, die eine Ausstellung mit Photos von SchülerInnen über ihre Einrichtung und die Menschen, die dort leben und arbeiten begrüßen.
  • Hier können Sie ein Paket herunterladen, das ein Satz-Puzzle zu Vorurteilen gegenüber psychisch kranken Menschen enthält.
  • Wenn sich Ihre Schule in Hamburg und Umgebung befindet, dann haben Sie die Möglichkeit einen Medienkoffer bei der Initiative “irre menschlich” auszuleihen. Die Adresse lautet:

PD. Dr. Thomas Bock, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität  Hamburg,
Martinistr. 52, 20246 Hamburg, Tel.: 040/428033236 Fax:-5455,  e-mail: bock@uke.uni-hamburg.de
www.irre-menschlich.de

Im Leipziger Raum kann Kontakt zur Initiative “irrsinnig menschlich” aufgenommen werden. MitarbeiterInnen des Projekts kommen auf Wunsch auch gerne in Schulen um dort mit den SchülerInnen über psychische Erkankungen zu sprechen. Über die Initiative wurde bereits in der Sendung “nano” berichtet. Die Kontaktadresse lautet:

Dr. Manuela Richter-Werling
Johannisallee 20
04317 Leipzig
Tel. 0341/222 89 90
Fax 0341/222 89 90
e-mail: info@irrsinnig-menschlich.de
www.irrsinnig-menschlich.de

In München bietet die Kampagne “BASTA” ebenfalls Materialien zur Ausleihe und zum Kauf für Schulen und Jugendeinrichtungen an. Das Konzept ist modular aufgebaut, auf Wunsch wird eine Schulung zum Umgang mit den Unterrichtsmedien durchgeführt:

BASTA – Das Bündnis für psychisch erkrankte Menschen
am Klinikum rechts der Isar
der Technischen Universität München
Möhlstr. 26
81675 München

Tel.: 089 41 40 66 79 (Mo. – Mi. von 10 bis 15 Uhr)
Tel: 089 / 4140-6674 (AB)
Fax: 089 / 4140-6688
e-mail: info@bastagegenstigma.de
www.bastagegenstigma.de

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